
Pflegetipps für Holzobjekte
Häufig werden wertvolle Möbel regelrecht "kaputtgepflegt", durch falsche Reinigung - meist feucht und gründlich, aus dem Bedürfnis, dem Holz "Nahrung" zu geben - obwohl es durch einen Überzug abgesperrt ist, oder durch die handelsüblichen "Poliermittel".
Oft kann nur der geschulte Blick oder die Untersuchung eines Restaurators die Art des Oberflächenüberzuges bestimmen. Nur mit dem Wissen darüber, kann eine Reinigung oder Pflege erfolgreich sein.
Vereinfacht gesagt: das gewählte Mittel und die vorhandene Überzugsart müssen sich "vertragen". Jeder Überzug baut auf einer anderen stofflichen Zusammensetzung auf, kann mehr oder weniger durchlässig sein, ölig, wachshaltig, fettig, hart, lösemittelbeständig,.... und reagiert in unterschiedlicher Weise. Da der Werkstoff Holz ein cellulosehaltiges Material ist und hydrophil, nimmt es jede Flüssigkeit auf und speichert mit ihr auch deren ungewünschte Inhaltstoffe (Schmutz, Fette, Farbstoffe, usw.) in den Zellen. Ein Grund, warum unbehandeltes Holz schnell schmutzig wirkt.
Die Kohäsionskraft wirkt auch durch viele traditionelle Überzüge hindurch, die Zellen speichern dann unerwünschte Stoffe.
Handelsübliche Polierpflegemittel enthalten kriechende Öle. Kriechende Öle sind nichttrocknende Öle (tierisch-, pflanzlich-, oder- technisch) wie z.B. Knochenöl, Tran, Talg, Vaseline, Wachsöl, Bucheckernöl, Mineralöl, Paraffinöl (auch Schleiföl genannt). Lösemittel hierfür: Aceton, Äther.
Diese Öle wandern dann bei der sogenannten Pflege, je nach Art und Beschaffenheit des Überzuges, nach einer oder mehreren Behandlungen durch diese hindurch und werden von den Holzzellen aufgenommen. Da diese Öle nicht trocknen und die einmal eingenommene Lage nicht beibehalten, verursachen sie Ölausschlag. Ohne die gepflegt geglaubte Oberfläche zu verletzen, lässt sich das Öl nicht mehr aus den Zellen entfernen. Um eine neue Schellackpolitur aufbauen zu können muss das Öl aber gänzlich entfernt sein. Dies geht, wenn überhaupt, nur mit radikalem Auswaschen des Holzes.
Destilliertes Wasser ist die unschädlichste Möglichkeit zur Reinigung von schellackpolierten Oberflächen, da es frei von Unreinheiten wie Kalksulfat, Kalziumbikarbonat, Magnesium und Chlor ist.
Wenn das nicht ausreicht, kann ein Spritzer Grüne Seife helfen. Es ist immer darauf zu achten, dass nicht zu feucht gewischt wird und sofort nachgetrocknet wird.
Ein im Fachhandel erhältliches Mittel zur Reinigung ist die Reinigungsmilch von der Firma Zweihorn. Mit ihr können Verunreinigungen sowie Fette von der Politur entfernt werden. Außerdem bringt sie den Glanz hervor.
Tintenflecken sind, wenn sie die Politur durchgefärbt haben, meist bleibend in der Politur und in der Regel ist das Holz darunter davon ebenfalls gefärbt. Aus dem unbehandelten Holz können Tintenflecken mit entsprechend schwacher Oxalsäure entfernt werden.
Teeflecken können mit Kaustischem Soda, als 5%ige Lösung in Wasser, entfernt werden.
Raumklima
Achten Sie beim Aufstellen Ihrer Objekte in erster Linie auf das Raumklima.
Man muss bedenken, dass Möbel unter anderen Bedingungen alt geworden sind als die heutigen. Je nach Alter ihres Möbelstückes wird es in nicht isolierten Räumen gestanden haben. Die Fenster waren einfach verglast und zugig. Die Böden waren aus Lehm, Sand, Ziegeln später Stein oder einfachen Holzdielen. Man heizte mit einem Ofen, kannte weder Heizkörper, die durch das ganze Haus verteilt sind, noch eine Fußbodenheizung. Es ist von größter Wichtigkeit, die Raumluftfeuchte zu kontrollieren und entsprechend zu beeinflussen. Holz ist wie beschrieben ein Werkstoff der Feuchte aufnimmt und abgibt, sich dabei ausdehnt und zusammenzieht. Man sagt, das Holz "arbeitet". Es kann bei zu niedriger Raumluftfeuchte so stark zusammentrocknen, dass Risse entstehen. Besonders die Möbel aus der Zeit des 17. Jh. bis Mitte des 19. Jh. Biedermeier- und Barockmöbel sind bedingt durch stilistische Gestaltung und Konstruktion, sehr empfindlich gegen zu geringe Luftfeuchtigkeit. Schwundrisse am Holz übertragen sich auf das Furnierbild oder Marketerie.
Prüfen Sie deshalb immer die Raumluftfeuchte und halten Sie sie konstant. Sie sollte zwischen 50% und 60% liegen. Informieren Sie sich über die verschiedenen Messgeräte. Stellen Sie gegebenenfalls ein Raumluftfeuchtegerät auf. Stellen Sie Ihr Möbel nicht neben Ofen und Heizkörper auf. Vermeiden Sie große Temperaturschwankungen und setzen Sie das Möbelstück nicht der unmittelbaren Sonnenbestrahlung aus.
Ein weiteres Problem können konstruktionsbedingte Schäden sein, die sich bei Gebrauch oft verschlimmern und andere Bereiche mit zerstören, wie abgelaufene Schubkastenseiten und ausgelaufene Laufleisten. In dessen Folge lösen sich Furniere oder auch die Traversen.