Ein kleiner Einblick in die Stilkunde der Möbel


Renaissance 1450 - 1650

Das französische Wort Renaissance bedeutet "Wiedergeburt". Bezogen auf seinen Ursprung meint der Begriff die "kulturelle Wiedergeburt der Antike", die eines der Ideale jener Epoche war. Die Wiederbelebung der antiken Tradition auf Grundlage humanistischer Philosophie schlug sich besonders in den Künsten und ihren neuen, als fortschrittlich empfundenen Prinzipien nieder.
Rückbesinnung auf die Ideale des klassischen Altertums. Verwendung von Vorbildern aus Kunst und Architektur der Antike, der Griechen und der Römer, Stilelemente wie z.B: Portale, Nischen, Säulen, Fassaden, Rundbögen. Es wurden aufwendige Schnitzarbeiten, wie Atlanten, Karyatiden, Bandornamente, Akanthusblattvariationen und von Rollwerk umgebene Kartuschen hergestellt. Materialen waren unter anderem Nussbaum, Esche, Kastanie, Zypresse, Eiche, Tanne, Perlmutt und Elfenbein. Die innen angebrachten Schlösser waren aus verzinntem und reich ziseliertem Eisen.
Die Renaissance setzt in Italien schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts ein, kommt in der angewandten Kunst aber erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts zum Tragen.
In der Architektur treten römisch-antike Bauformen auf (z.B. Pilaster, Eierstäbe, Palmettenfriese und Girlanden). Als Mittel zur Raumgestaltung gewinnt das Möbel an Bedeutung, es ist nicht nur reiner Gebrauchsgegenstand. Das Prosperieren der Städte führt zu steigendem Reichtum und größerem Einfluss des Bürgertums, dadurch werden diese ebenfalls Abnehmer von aufwendig gestaltetem Mobiliar und Kunsthandwerk. Neben geschnitzten Möbeln werden intarsierte und aufwendig gestaltete Stücke stärker bevorzugt. Durch das Einfärben von Hölzern werden wertvolle Materialien imitiert.
Die intensivere Beschäftigung mit der Natur und die Hingabe zur Antike führen in der Kunst zu neuen Fragen. Die Frage nach dem Wesen der Schönheit wird zu einem tragenden Element in der Kunst, die Künstler versuchen z.B. den idealschönen Menschen darzustellen. Diese idealen Maße und Proportionen spielen auch bei der Planung von Gebäuden eine wichtige Rolle. Durch die Entwicklung der Perspektive konnten Verkürzungen in der Raumtiefe mit mathematischer Exaktheit dargestellt werden.
Der 30jährige Krieg (1618-1648) setzt dieser Epoche des bürgerlichen Wohlstandes in Deutschland ein Ende. Wichtige Künstler der Renaissance: Leonardo da Vinci, Michelangelo, Raffael, Giovanni Bellini, Tizian, Correggio, Albrecht Dürer, Peter Flötner er war Bildhauer, Goldschmied, Kunstschreiner und Zeichner, arbeitete nach Studienjahren in Italien ab 1522 in Nürnberg. Er hatte durch zahlreiche Entwürfe für Architekturteile, Innenausstattungen und Möbel großen Einfluss auf das Kunsthandwerk seiner Zeit. Flötner hatte dadurch auch Anteil am Durchbruch des Renaissance-Stils in Deutschland; auch wenn er in seinem persönlichen Stil die italienischen Elemente stark mit den überlieferten spätgotischen Formen verband.

Barock 1600 - 1740
Der Barockstil erstrebt die Schaffung eines Gesamtkunstwerkes in allen Kunstrichtungen. Besonders in der Baukunst ist dies zu beobachten an den großzügigen Schlossanlagen und Patrizierhäusern und deren Ausstattung. Stark beeinflusst wurde diese Richtung vom Sonnenkönig Ludwig XIV. (1653-1715), dessen prunkvoller Lebensstil und immense Repräsentationssucht allen europäischen Höfen als Vorbild dienten. Die eher strengen Formen der Renaissance werden durch dekorative, plastische Rundungen betonende Elemente aus kostbaren Materialen abgelöst. Die Schränke zeigen sehr starke, ausladende Gesimse, die oft von freistehenden oder gedrehten Säulen getragen werden. Schnitzereien sind weniger betont und werden durch neue ausgefeilte Marketeriearbeiten in kostbaren Materialen ersetzt. Erstmals werden Metalle (Boulle) und Steine eingelegt. Ausgesprochen typische Möbel wie der nur mit Hohlkehle und Wulst dekorierte Wellenschrank entwickeln sich.
Zur Berühmtheit gelangte in dieser Zeit auch der Dresdner Barock. Einzigartige Bauwerke wie der Zwinger, die Hofkirche und jetzt der Wiederaufbau der Frauenkirche sind Beispiele der großen Baukunst dieser Zeit. Die schon in der Renaissance verwendeten Materialien werden durch Kirschbaum, Birne, Palisander und Ebenholz ergänzt. Für Einlegearbeiten und Verzierungen kommen Halbedelsteine, Marmor, Glas, ausgeschnittenes Messing, Bronze, Gold, Blattgold und Silber hinzu. Die bisher nur ziselierten Beschläge und Schlösser werden von nun an auch durchbrochen und getrieben.
Aus Italien kommend, im 17.- und 18. Jahrhundert nach Europa gelangend, bezeichnet Barock die Epoche von ca. 1600 bis 1770, die dem Klassizismus vorausging.
Luxus und Vermögen ist nicht mehr Privileg der Aristokratie sonder verbreitete sich immer stärker unter dem Bürgertum. Die Schiffe der Ostindischen Kompanie bringen Waren aus Fernost nach Europa, japanische und chinesische Kunst beeinflusst das Kunstgewerbe.
Die Formensprache der Renaissance wird ins derbe und ausladende umgebildet, dadurch verliert sich die schlichte Anmut, es entsteht jedoch eine sehr malerische, kraftvolle und monumentale Wirkung der Architektur und der Kunst. Das malerische Element war im Barock das Maßgebende, die gerade Linie verschwindet, sie wird ersetzt durch geschwungene, verdrehte Formen.
In der Barockmalerei kommt es in gewissem Sinne zu einer Verbindung von Manierismus und Renaissance. Es herrschen dynamische Bildwelten vor, die für religiöse Themen ebenso wie für andere Darstellungen verwendet werden.
Wichtige Künstler des Barock waren: Caravaggio, Claude Lorrain, Peter Paul Rubens, Antony van Dyck, Diego Velasquez, Franz Hals, Jan van Goyen, Rembrandt van Rijn, Jan Stehen, Jacob van Ruisdael, Jan Vermeer, Lorenzo Bernini, William Hogarth, Sir Joshua Reynolds, Thomas Gainsborough.
André Charles Boulle war ein Kunsttischler und Kunstschreiner, und der wohl berühmteste französische Ebenist (1642 - 1732). Boulle arbeitete für den französischen Adel und den französischen Hof Ludwig XIV. Er entwarf und baute viele Möbel für das Schloss Versailles. Diese Möbel wurden europaweit stilweisend, und so zählten zwischen 1690 und 1710 neben dem französichen Hof auch die Herzöge von Orléans, Lothringen und Bourbon, König Philipp V. von Spanien, Kurfürst Max Emanuel von Bayern und der Erzbischof von Köln zu seinen Auftraggebern. Sein Vorlagenwerk (Buch) "Nouveaux dessins de meubles et ouvrages de bronze et de marqueterie" hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des Möbelstils und Möbelbaus bis ins 18. und 19. Jahrhundert hinein.
Charles Cressent (1685 - 1768) war ein gelernter Bildhauer und einer der berühmten Ebenisten in Frankreich. Seine Möbel sind häufig zusätzlich mit Goldbronze-Appliquen verziert. Cressent gilt als der Hauptvertreter des französischen Regence-Stils. Stark beeinflusst von den Arbeiten André-Charles Boulle´s wurde er der führende Ebenist seiner Zeit. Zu seinen Auftraggebern gehörten u.a. Herzog Philipp von Orléans, König Johann V. von Portugal und Kurfürst Karl Albrecht von Bayern.
Bedeutende Arbeiten von Cressent befinden sich heute im Louvre, Paris, im Schloss Fontainebleau und in der Wallace Collection, London.
Jacque Dubois (1689 - 1775) gehört ebenfalls zu den bedeutenden Pariser Ebenisten. Seine Marketerie ist zurückhaltend, und das Bronzedekor kommt bei ihm vorherrschend zur Geltung.
Der Kunsttischler Thomas Chippendale (1718 - 1779) entwarf und stellte sowohl aufwendige, kostbare als auch schlichte Möbel her. Sein Stil zeichnet sich dadurch aus, dass er bei seinen Möbeln barocke Formen mit neogotischen und chinesischen Formen vermischte. Thomas Chippendale betrieb eine für damalige Verhältnisse große Möbelwerkstatt und gab außerdem ein Buch über seine Möbelentwürfe heraus, nach dem andere Möbeltischler seine Entwürfe nachbauen konnten. So verbreitete sich der "Chippendale-Stil". Auch auf dem Kontinent wurden seine Möbel zahlreich nachgebaut und sind als "Stilmöbel" noch heute in Möbelhäusern zu kaufen. Echte Chippendale-Möbel werden äußerst selten im Antiquitätenhandel angeboten bzw. sind in Möbelmuseen zu besichtigen.

Rokoko 1725 - 1770
Der Barock fand in den Jahren 1720 bis 1780 eine Weiterentwicklung im Rokoko.
Im Rokoko wird der schwere, architektonische Stil des Barock in spielerische und schwungvolle Formen und elegante Dekorationen aufgelöst.
Typisch für das Rokoko sind ausschweifende Verzierungen und die Aufgabe jeglicher Symmetrie. An die Stelle fester, starrer Formen treten leichte, zierlich gewundene Linien und häufig rankenförmige Umrandungen. Die Rocaille (Muschel), ein Ornament, das aus asymmetrischen Muscheln gebildet ist, ist das kennzeichnende Dekorationsmotiv dieser Epoche, welches in vielen Variationen in Innendekorationen und Möbelkunst verwendet wurde.
In Deutschland ging der Rokoko seit 1750 parallel mit dem Klassizismus. Architektonische Zeugnisse des Rokoko sind u.a. das Schloss Sanssouci in Potsdam und das Münchener Residenztheater. Asymmetrische Ornamente und feuervergoldete Beschläge kommen auf. Erstmals werden kleine und raffinierte Möbel wie Spiel-, Toiletten- und Schreibtische gefertigt, die kombiniert als sogenannte Beistellmöbel verwendet wurden. Bei den Materialen kommen Gobelin, Seide, Lackmalerei, feuervergoldete Beschläge, versilbertes und vergoldetes Holz und Leder hinzu. Bei Schlössern und Beschlägen wird nun außer Eisen auch Messing und feuervergoldete Bronze verwendet. Möbel werden aufwendig geschnitzt, gefasst oder mit kostbaren Hölzern furniert und intarsiert. Bronzeschuhe, schnörkelige Schlüsselschilder und Griffe in Rocailleform verzieren die Möbel. Ein neues Möbel ist der Konsoltisch, der meist paarweise erworben wird und oft unter hohen Spiegeln an der Wand steht. Von besonderer Bedeutung ist das natürliche und künstliche Licht, das insbesondere in den Spiegelkabinetten zur Geltung kommt. Farbig gefasste Möbel in zarten Pasteltönen, meistens kombiniert mit Gold und Silber tragen zur freundlichen Wirkung der Innenräume bei. Wichtige Künstler des Rokoko sind: Giovanni Battista Tiepolo, Francesco Guardi, Antoine Watteau, Francois Boucher, Jean-Honoré Fragonard.
Robert Adam (1728 - 1792) war britischer Architekt, Innenarchitekt und Möbelentwerfer: unter Verwendung von Elementen aus der römischen Bauweise, der italienischen Renaissancearchitektur und Barockarchitektur schuf er einen neoklassizistischen Stil, den er vor allem in der Inneneinrichtung seiner Bauten anwendete.
Sein Klassizismus wirkte in England so revolutionierend, dass man zwischen 1770 und 1789 geradezu von einem Adam-Stil sprechen kann.
Er gestaltete nicht nur zahlreiche öffentliche und private Bauten, sondern entwarf auch die dazu passende Innenausstattung und das gesamte Mobiliar. Sein 1777 zusammen mit seinem Bruder James veröffentlichtes Buch "The works in architecture" enthält detaillierte Angaben zu seinen Entwürfen. Jean Henri Riesener (1734 - 1806), in Deutschland geboren, trat um 1754 in die Pariser Werkstatt des Ebenisten Oeben ein. Nach dem Tod von Jean-Francois Oeben war Riesener "premier garcon" = "Erster Gehilfe" des Meisters, und die Witwe von Oeben setzte ihn als Leiter der Werkstatt ein und führte mit seiner Hilfe die Werkstatt weiter. 1767 wurde Riesener "maitre" und heiratete kurz darauf Oebens Witwe; später wurde er auch "ebeniste ordinaire du roi".

Klassizismus 1760 - 1835
Der Begriff Klassizismus umfasst die gesamte Zeit von 1760-1835 und die Epochen Louis Seize, Empire, Biedermeier und Regency. Die durch das Louis Seize eingeleitete Stilepoche des Klassizismus orientiert sich an der Formenwelt der klassischen, antiken Architektur Griechenlands, Italiens und Ägyptens. Dieser Stil setzte sich in ganz Europa durch.
Die typischen Stilmerkmale dieser Zeit zeichnen sich durch strenge, klare Formen, einfache Maßverhältnisse und übersichtliche Gliederungen aus. In Anlehnung an die alten Mythologien werden für Beschläge und Dekor Füllhörner, Helme, Adler, Lyra, Rutenbündel, Bacchusmasken, Säulen, Palmetten, Fabeltiere usw. verwendet. Die Möbel wurden einfacher und zweckmäßiger und passten sich den Ansprüchen des normalen Bürgertums an. Als Materialen wurden Mahagoni, Esche, Pappel, Eibe, Nussbaum, Kirschbaum, Birne, Apfel, Birke, Eibe und Wurzelfurniere verwendet. Neuerdings wurden gesteckte, in den Rahmen eingelassene Schlösser verwendet.
Der Klassizismus war eine Epoche in der 2 Hälfte des 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert (etwa zwischen 1770 und 1830), dessen Vertreter die griechische Klassik zu erneuern versuchten, er wird verstanden als Gegenbewegung zu Barock und Rokoko.
Der Zopfstil, als dessen Hauptvertreter der berühmteste deutsche Kunstschreiner David Roentgen gilt, zählt als erste klassizistische Stilvariante, des weiteren werden Empire, Biedermeier und Spätempire untergeordnet.
Der Klassizismus entspricht dem französischen Louis-Seize ohne die reine Übernahme der französischen Entwürfe. Die wissenschaftliche Erforschung der Antike bildet die Grundlage für die Verwendung antiker Vorbilder in allen Bereichen der Kunst. Die Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum gaben die ersten Anstöße, seine wichtigste Ausprägung erfährt der Klassizismus in Architektur und Stadtplanung. Streng gegliederte Gebäudeformationen mit vorgesetzten Säulenordnungen sind bezeichnend. Wichtige Künstler des Klassizismus sind: Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, Carl Gotthard Langhans, Giovanni Battista, Piranesi, Leo von Klenze, Jacques-Louis David, Joseph Anton Koch, Adele Canterbury
Bertel Thorvaldsen, Antonio Canova, Abraham (1711 - 1793) und David Roentgen (1743 - 1807).
David Roentgen, Sohn des seit 1750 in Neuwied ansässigen Kunsttischlers Abraham Roentgen, ging mit 14 Jahren bei seinem Vater in die Lehre und übernahm 1772 die väterliche Werkstatt.
Seine Möbel waren an allen europäischen Höfen gefragt, so dass er teilweise bis zu 100 angestellte Kunsttischler und andere Spezialisten beschäftigte.
In Paris unterhielt er ein Möbellager, zu seinen Kunden gehörte auch Ludwig XVI. Der König ernannte ihn zum "ebeniste-mecanicien du roi"; 1789 wurde er in Paris "maitre" und benutzte einen Signaturstempel.
Besondere Eigenarten seiner Möbel sind große stark farbige Intarsien und ungewöhnliche technische Ausstattungen wie z.B. raffinierte Techniken für Geheimfächer.
Zu den Kunden des Ebenisten David Roentgen gehörten u.a. die französische Königin Marie Antoinette, der preußische König Friedrich Wilhelm II. und die russische Zarin Katharina II.
Zu den heute bekanntesten Möbeln von David Roentgen gehört ein Schreibsekretär (Sekretär, Zylinderbüro, bureau plat) im Berliner Kunstgewerbemuseum. Dieser Sekretär ist um 1779 gefertigt und zeigt im Wesentlichen die Formen des bereits ausgereiften Louis-seize-Stils.

Louis XVI 1760 - 1810
Louis-seize ist ein Übergangsstil, der in Deutschland zum Biedermeier und in Frankreich zum Empire hinführt. Leichtigkeit und Eleganz werden noch beibehalten, Schweifungen und Asymmetrie abgelegt. Unter anderem werden durch die zu der Zeit weltbewegenden Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum antikisierende Formen wieder eingeführt. Die Rocailleformen verschwinden ganz und werden durch Blumen, Früchte, Landschafts- und Architekturmotive in natürlicher Darstellung ersetzt. Die Möbel zeigen geradlinige Formen und geometrische Einlegearbeiten, Eierstabfriese, Mäanderbänder, klassische Rosetten, Vasen, Akanthusblätter, Blumengebinde, Bildnis- und Trophäenmedaillons werden verwandt. Bei den Schreibmöbeln wird das Roll- und Zylinderbüro erfunden. Als Holz wurden alle einheimischen Hölzer verwendet, vor allem die hellfarbigen. Zum Einlegen verwendete man Ebenholz, Zeder, Palisander, Mahagoni und Satinholz. Die Beschläge und Verzierungen waren zumeist feuervergoldet.

Empire 1800 - 1830
Das Empire bezeichnet streng genommen die Epoche des Kaisertums Napoleons I. (1800-1815); doch dauert die Stilwende zu einer der klassischen Antike hingewendeten Form etwa bis 1830 an. Er gilt als Stilvariante des Klassizismus.
Das Empire ist ein strenger, auf Repräsentation ausgerichteter Dekorationsstil. Er umfasst Innendekoration, Möbelkunst und Kunsthandwerk. Wertvolle Hölzer (Mahagoni, Ebenholz und Zeder), feuervergoldete Bronzen (Löwenklauenfüße, Adler, Viktorien) und Marmor bestimmen die Möbelkunst. Beliebt sind aufklappbare Sekretäre und Beistellmöbel. Die „Psyche", ein schwenkbarer Spiegel wird erfunden.

Empire Biedermeier 1800 - 1850
Das Biedermeier entwickelte sich aus dem Empire und ist eine gewisse Folge der Verarmung nach den „Napoleonischen Kriegen". In seiner Schlichtheit und Nüchternheit eine Reaktion auf den Prunk vom Rokoko. Der Begriff leitet sich von dem Pseudonym Gottlieb Biedermaier ab, das bei Eichrodt in seinen „Fliegenden Blättern" vorkommt. Als Biedermeier wird die Zeitspanne von ca. 1815-1850 bezeichnet. Er war der erste bürgerliche Kunststil, der zwischen 1815 (Frühbiedermeier) und 1848 (Spät-Biedermeier) Gültigkeit hatte. Kulturhistorisch, soziologisch und politologisch ging das Biedermeier bis 1848, kunsthistorisch streng gefasst von 1815-1830.
Lange Zeit dachte man bei dem Wort Biedermeier an Engstirnigkeit, Rückschritt, Rückzug ins Private, Recht und Ordnung. Heute verbindet man mit dem Wort Beschaulichkeit, Gemütlichkeit, Solidität, Nostalgie und Ruhe. Das Biedermeier ist zwar eine eher unbedeutende, kurze Epoche unserer Geschichte, jedoch hat sie als Stilepoche weit mehr an Bedeutung gewonnen als man glaubt. Sie ist die längst vergessene Grundlage für den Funktionalismus des 20. Jahrhunderts bis hin zu den heutigen Prämierungen guter Industrieform. Man könnte es auch folgendermaßen definieren: zweckecht-stoffecht-zeitecht und dazu das denkbar tüchtigste Handwerk.
Der Ausdruck Biedermeier bezieht sich auf die Wohnkultur und die Kunst des Bürgertums. Als typisch galt die Flucht ins Idyll und die Begrenzung auf den persönlichen Lebensraum.
Nach dem Ende der napoleonischen Feldzüge erlosch die Teilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten, das Interesse an der schönen Literatur und das gesamte geistige Leben erblühte. Infolge der Verarmung Deutschlands durch die Kriege wurden die künstlerischen Bedürfnisse auf das äußerste beschränkt, insbesondere die Ausstattung der Wohnräume mit Möbeln und künstlerischem Schmuck. Daraus entstand mit der Zeit ein eigener Stil.
Die Möbel sind funktionell und dienen nicht mehr repräsentativen Zwecken, es dient der Gemütlichkeit des Hauses. Klare, architektonisch geprägte Formen zeichnen die Zierelemente der Möbel aus, die typischen Holzarten sind Birke, Kirsche, Birnbaum und Nussbaum. Das Biedermeier ist formal an das Empire angelehnt, wird aber sehr stark von den Entwürfen des Engländers Thomas Sheraton beeinflusst.
Die typischen Stilmerkmale dieser Zeit zeichnen sich durch strenge, klare Formen, einfache Maßverhältnisse und übersichtliche Gliederungen aus. In Anlehnung an die alten Mythologien werden für Beschläge und Dekor Füllhörner, Helme, Adler, Lyra, Rutenbündel, Bacchusmasken, Säulen, Palmetten, Fabeltiere usw. verwendet. Die Möbel wurden einfacher und zweckmäßiger und passten sich den Ansprüchen des normalen Bürgertums an. Als Materialen wurden Mahagoni, Esche, Pappel, Eibe, Nussbaum, Kirschbaum, Birne, Apfel, Birke, Eibe und Wurzelfurniere verwendet. Neuerdings wurden gesteckte, in den Rahmen eingelassene Schlösser verwendet. Wichtige Künstler des Biedermeier waren: Michael Thonet, Carl Spitzweg, Ferdinand Georg Waldmüller, Johan Christian Clausen Dahl.

Jugendstil Art Nouveau 1890 - 1910
Alle Stile der Vergangenheit sind einzigartig, aber unter allen diesen Stilen ist wiederum der Jugendstil einzigartig. Alle anderen Stile sind Ordnungsbegriffe der Geschichtsschreibung: der romanische, der gotische, der barocke, der klassizistische Stil - diese Vorstellungen sind der historischen Betrachtung und Analyse zu verdanken. Der Jugendstil hingegen war als Stil gewollt, erstrebt, ja man erfand ihn einfach. Aber das ist nicht das Geheimnis seiner Einzigartigkeit. Es ist ein Stil ohne Muster und Vorlagen, ein ganz und gar neuer, eigener, zeitgenössischer, gegenwärtiger, lebendiger Stil. Verschlungene florale Formen, aber auch strenge, geometrische Konstruktionen in allen Bereichen von Architektur, Möbelbau und Kunsthandwerk setzen sich durch. Von England ausgehend bilden sich Paris, München, Darmstadt und Wien zu Zentren aus, in denen diese, die Moderne einleitende Kunstrichtung erarbeitet wird. Sie werden zur Belebung der Fläche, zur Kultivierung der dynamischen Linie, zur Herrschaft des Ornaments oder in allem zugleich: diese Füllungen und Aussparungen, diese rahmenden Umschlingungen, diese Wellen, Locken und Wurzeln, diese Asymmetrien, diese Kurvaturen, dieser sparsame Prunk, diese Verquickung des Organischen und Funktionellen, diese Verdrängung der Horizonte und die Fesselung der Gestalt in ihrer Kontur- das ist alles wie ein einziger Zauberbann, der um sich greift, dem nichts zu entgehen scheint. Als Materialen verwendete man farbiges Glas, Bleiverglasungen, Harthölzer, neue Lacke und Farben, Neusilber, Kupfer, Nickel, Chrom und Emaille. Die Produktivität dieser Jahre um die Jahrhundertwende ist hinreißend, die Epoche leuchtet und glitzert vor Selbstgefühl und Zuversicht, und doch rührt uns inmitten solcher Schönheit, die überall regieren soll, die Ahnung des Zerfalls an, die aus ihr entgegenscheint. Denn das Schöne ist nichts als der Anfang des Schreckens- in manchem Sinne auch hier.
Um 1890 entstand eine Kunstrichtung, die in deutschen Raum als "Jugendstil" und in England, Frankreich usw. als "Art Nouveau" bezeichnet wird. Zuerst wurden der Natur entlehnte und abstrahierte Linien das typische Merkmal des Jugendstils, später überwogen geometrische Ornamente.
Der Jugendstil war nur von kurzer Dauer, ebnete jedoch den Weg für die Moderne. Das Leben sollte mit allem künstlerisch in Einklang gebracht werden. Die Dinge des täglichen Lebens wurden so von besonderem Interesse für die Künstler dieser Epoche. Diese „angewandte" Kunst, sollte Kunst sein, die nutzbar gemacht werden sollte.
Louis Majorelle (1859 - 1926) war Sohn eines Kunsttischlers, spezialisierte sich zunächst in seiner Werkstatt in Nancy auf die Nachahmung von Möbeln und Fayencen des 18. Jahrhunderts. Nach dem Studium der Malerei an der Pariser École des Beaux-Art übernahm Majorelle 1879 nach dem Tod des Vaters dessen Werkstatt. Erst ab ca. 1890 begann er sich unter dem Einfluss von Emile Gallé für den neuen Stil dieser Zeit zu interessieren.
Zur Pariser Weltausstellung von 1900 war er bereits der bekannteste und gefragteste Hersteller von Möbeln im Stil des Art Nouveau. Er baute seine Werkstatt zu einer kleinen Fabrik aus, die spezielle Abteilungen hatte für die mechanische Bearbeitung des Holzes, für Tischlerarbeiten, Marketeriearbeiten sowie für Skulpturen und Bronzen.
Im Vergleich zu Gallé zeigen die Möbel von Majorelle weniger Marketerie; dafür legte er großen Wert auf die Wirkung des Holzes und der Maserung und auf die Eleganz der Form.

England Arts and Crafts
Seine Wurzeln hat der Jugendstil in England. Beeinflusst von der japanischen Kunst wurden die natürlichen Formen aufgegriffen und zur Gestaltung der Dinge des täglichen Gebrauchs benutzt. Abgestoßen von der qualitätslosen Massenfertigung des Kunstgewerbes im Zeitalter der Industrialisierung, entstand die "Arts and Crafts"-Bewegung von William Morris. Ziel dieses "modern movement" war die „Erziehung des Geschmacks breiter Schichten" der Bevölkerung bis zu "der Wiederkehr der Schönheit auf Erden und dem Anbruch einer Ära sozialer Gerechtigkeit und menschlicher Würde".
Englische Künstler waren: Aubrey Vincent Beardsley, Archibald Knox, William Morris
Christopher Dresser, Charles Robert Ashbee, Charles Rennie Mackintosh

Österreich
Otto Wagner stand für gesellschaftliche wie technische Veränderung und wurde Wegbereiter der modernen Architektur in Österreich. Unter den sogenannten „Otto Wagner Schülern" wurde 1897 die Wiener Secession von Gustav Klimt, Koloman Moser, Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich und anderen Künstlern gegründet. Beeinflusst von der Berliner und Münchener Sezession lehnten die Künstler den althergebrachten Kunstbegriff und den damit verbundenen Konservatismus ab. Durch den englischen Einfluss gründeten Josef Hoffmann und Kolomann Moser 1903 die Wiener Werkstätte. Die Künstler der Wiener Werkstätte unter der Leitung von Josef Hoffmann entwickelten einen eigenen, höchst eleganten Stil. Grundform des Ornaments wurde das Quadrat. Der Einfluss der Wiener Werkstätte zog sich bis in das Art Deco. Adolf Loos hingegen, revoltierte gegen die Revoltierenden. Die Tatsache, dass Adolf Loos auch dem modernen Kunstgewerbe eine Absage erteilte, führt zwangsläufig zum Bruch mit den Architekten und der Secession. Adolf Loos hingegen bezeichnet man weltweit als "Vordenker der Modernen".
Österreichische Künstler waren: Josef Hoffmann, Emanuel Josef Margold, Josef Maria Olbrich, Otto Wagner, Karl Witzmann, Gustav Siegel, Hans Ofner



site created and hosted by nordicweb